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Kategorie: Wissenswertes

Upmix von Stereo auf Mehrkanal

Das Illusonic Immersive Upmix ist ein professionelles Audio-Plugin, das Stereo- oder Monoaufnahmen in immersive Mehrkanal-Formate wie 5.1, 7.1 oder 9.1.6 sowie in binaurale Formate für Kopfhörer umwandeln kann. Es analysiert die räumlichen Informationen des Originalsignals und verteilt sie intelligent auf die verfügbaren Lautsprecherkanäle, wobei die Phantom-Center-Technologie eine präzise Lokalisation von Lead-Instrumenten und Stimmen ermöglicht. Gleichzeitig sorgt die Engine für minimale Klangfärbung, natürliche Raumtiefe und eine realistische Breitenstaffelung, sodass Musik, Filmton oder Sounddesign ohne Qualitätsverlust in immersiven Formaten wiedergegeben werden kann.

Testbericht — Illusonic Immersive Upmix

Wir haben das Immersive Upmix Plugin von Illusonic in einer DAW-Umgebung getestet (Stereoquelle → 7.1/Atmos-ähnliche Formate). Das Ergebnis überzeugt: sauberer, natürlich wirkender Raumaufbau, eine sehr gelungene Behandlung des Phantom-Centers und überraschend geringe Klangverfärbung bei deutlich gewonnenem Eindruck von Breite, Tiefe und „Luft“. Das Plugin ist technisch reif, vielseitig konfigurierbar und eignet sich sowohl für Musik-Upmixing (z. B. Stereo → 7.1.4 / 7.1.2) als auch für binaurale/Headphone-Ausspielungen.

Was ist das Immersive Upmix?

Das Immersive Upmix ist ein Upmix/Downmix-Plugin von Illusonic, das Stereo- (oder Mono-) Signale intelligent auf Mehrkanal-Formate bis hin zu 9.1.6 bzw. in binaurale Formate verteilt. Es ist Teil der Illusonic Test-Balloon Plugins bzw. der Produktfamilie, die aus jahrelanger Forschung hervorgeht. Die Herstellerbeschreibung nennt explizit: Unterstützung vieler Formate (mono/stereo bis 9.1.6), eine „unique center channel technology“, räumliche Effekte mit minimaler Färbung sowie sehr gute Einzelkanalqualität.

Test-Setup

  • DAW: Wir verwenden dazu Cubase 14: Das Insert auf Stereo-Master oder auf einem separatem Stem-Bus.

  • Eingangsquelle: verschiedene Stereo-Stems (Vocals, Piano, Mix-Bounces mit unterschiedlichen Stereo-Bildern).

  • Ausgänge: 7.1.2 / 7.1.4 Routing im Interface / Renderer (bei binaural: Headphones).

  • Monitoring: Nahfeld-Monitore + Kopfhörer (für binaurale Vergleiche).

  • Ziel: natürliche Breitenverteilung, echte Center-Lokalisation, gute Downmix-Kompatibilität.

Bedienkonzept & Workflow

  • Einfügen & Formatwahl: Plugin auf Stereo-Bus laden und gewünschtes Output-Format (z. B. 7.1.2 oder 9.1.6) wählen. Die Auswahl ist flexibel und reicht von Mono/Stereo bis zu sehr hohen Kanalzahlen.

  • Center-Behandlung: Über dedizierte Parameter lässt sich die Phantom-Center-Information extrahieren und gezielt auf einen realen Center-Kanal legen — dabei korrigiert das System die Center-Timbre, damit der Center natürlicher und „wie aus einer echten Quelle“ klingt. Das wirkt für Dialoge und Lead-Vocals sehr überzeugend.

  • Spacial Controls (Depth / Immersion / Width): Mit Reglern für „Depth/Immersion“, Breiten- und Rear-Anteile lässt sich die wahrgenommene Räumlichkeit formen, ohne den Klang zu überfärben. Die Parameter sind praxisgerecht und ermöglichen schnelle Anpassungen für verschiedene Genres und Material.

  • Feinjustierung & Downmix: Das Plugin bietet Optionen zur Downmix-Kompatibilität und zur Dämpfung von problematischen Reverb-Kaskaden (z. B. Dereverb/De-cascade). Vor dem finalen Bounce empfiehlt sich ein A/B-Vergleich mit dem Original-Stereo-Downmix.

Technische Wirkungsweise (auf hohem Niveau)

Illusonic kombiniert mehrere DSP-Verfahren (signalgetriebene Kanaltrennung, phasen-/zeitbewusste Analyse, kontrollierte Dekorrelation und Center-timbre-Korrektur sowie adaptive Filterung), um die Stereoinformation in klare Direktivitäts- und Raumanteile zu zerlegen und diese dann auf reale Lautsprecherpositionen zu verteilen. Besonders hervorzuheben ist die patentierte/firmeneigene Behandlung des Centers: anstatt einfach das Mittensignal in die Mitte zu kopieren, wird dessen Wahrnehmung korrigiert, damit es natürlicher mit eigenen HRTF-/Lautsprecher-Charakteristika wiedergegeben erscheint. Illusonic dokumentiert diese speziellen Center-Korrekturen und die Möglichkeiten zur Depth/Immersion-Formung in ihren Manuals und Blogposts.

Klangliche Eindrücke aus unserem Test

  • Center: Sehr definierter, stabiler Center, Vocals verlieren nicht an Präsenz beim Verlegen auf den Center-Lautsprecher.

  • Breite & Surround: Das Stereo-Bild wird glaubhaft in die Surround-Kanäle erweitert — ohne die Stereobreite zu „verwaschen“.

  • Färbung: Minimal — die „spatial effects with minimal coloration“ sind hörbar eingehalten. Das Material behält seine Charakteristik, nur mit mehr Räumlichkeit.

  • Binaural/Headphone: Gute Alternative, wenn kein Lautsprecher-Setup vorhanden ist; bietet zusätzliche Optionen wie 3DOF-Rotation für Objekt-Rendering. 

Praktische Tipps / Empfehlungen

  • Stems vorbereiten: Bei stark mit Hall versetztem Stereo-Material Vor-Bearbeitung (z. B. leichtes Dereverb/Multiband-Cleaning) kann das Upmixing sauberer machen.

  • A/B-Vergleiche: Immer mit Original-Stereo und mit Downmix vergleichen, um Mono/Streaming-Kompatibilität sicherzustellen.

  • CPU/Latency: Bei sehr hohen Zielkanalanforderungen (z. B. 9.1.6) DSP-Last steigt — in größeren Sessions Rendering/Freeze in Betracht ziehen.

  • Automatisierung: Nutzen, um Immersion/Depth dynamisch mit Arrangement-Abschnitten mitwachsen zu lassen.

  • Monitoring: Test auf verschiedenen Wiedergabesystemen (Stereo, 5.1, 7.1, Kopfhörer), da Wahrnehmung stark systemabhängig sein kann.

Stärken & Grenzen

Stärken

  • Sehr flexible Formatunterstützung (Mono → bis 9.1.6 und binaural).

  • Überzeugende Center-Technologie mit hörbarer Verbesserung der Center-Lokalisierung.

  • Räumlichkeit bei geringer Färbung — ideal, wenn Original-Charakter bewahrt werden soll. 

Grenzen

  • Komplexität: Viele Regler — Einarbeitungszeit nötig, um optimale Presets zu finden.

  • Ressourcen: Je nach Ziel-Format DSP-Intensität spürbar; bei großen Projekten Rendering empfohlen.

  • Kein „automatischer Perfektionator“: Beste Ergebnisse erzielt man mit sauberem Ausgangsmaterial und kritischem Monitoring.

Wir haben es getestet und sind begeistert

Illusonic Immersive Upmix liefert in der Praxis das, was die Herstellerangaben versprechen: ein sehr flexibles, klanglich hochwertiges Upmix-Werkzeug, das besonders durch seine Center-Behandlung und die geringe Klangfärbung besticht. Für uns Produzenten, Mischende und Post-Techniker, die Stereo-Material in immersive Formate bringen möchten — sei es 7.1.x, 9.1.6 oder binaural — ist das Plugin eine ausgezeichnete Wahl, die in vielen Fällen überzeugende Ergebnisse liefert ohne die originalen klanglichen Eigenschaften zu opfern. Eine Empfehlung wert — insbesondere, wenn natürliche Center-Lokalisation und Downmix-Verträglichkeit wichtig sind.

Zum Plugin: Illusonic Immersive Upmix

Quellen (Auswahl)
  • Illusonic — Test-Balloon Plugins / Immersive Upmix Produktseite. Illusonic

  • Illusonic Blog: „High-quality stereo with center“ (Center-Timbre Erklärung). Illusonic

  • Illusonic Manuals / IAP Owner’s Manual (Kapitel zu Depth/Immersion). Illusonic

  • Demo / Video Beispiele (YouTube / Tutorials zu Stereo→Atmos Upmix mit Illusonic). YouTube

Schritt-für-Schritt-Preset-Empfehlungen

1. Vocals / Lead-Gesang (Center-präzise, klar und luftig)

Ziel: Stimme soll im Center präsent bleiben, aber natürlich in den Raum eingebettet klingen. – Ideal für: Pop, Schlager, Singer/Songwriter.

  • Input/Output-Format: Stereo → 7.1.4 (oder 5.1, wenn du klassisch bleibst).
  • Center Mode: Active / True Center aktivieren → der Lead-Vocal wandert gezielt in den Center-Kanal.

  • Center Gain: ca. +2 dB (je nach Material).

  • Depth / Immersion: auf 30 – 40 % — leicht räumlich, aber nicht zu diffus.

  • Width: mittel (50 %), damit der Nachhall sich leicht in die Fronts legt.

  • Rear Spread: gering (20 – 25 %) – nur feine Luftigkeit, kein Hallteppich.

  • High-Frequency Preserve: ON, damit die Höhen klar bleiben.

  • Option: Reverb nach dem Upmix hinzufügen, nicht davor, sonst „verwischt“ der Center.

Ergebnis: Die Stimme sitzt sauber im Raumzentrum, bleibt fokussiert, klingt größer und natürlicher als in einfachem Stereo.

2. Streicher / Pads (breit, umhüllend, aber transparent)

Ziel: Weite, warme Klangfläche ohne Phasenschlieren.
Ideal für: Balladen, Filmmusik, atmosphärische Pop-Produktionen.

Schritte:

  • Input/Output-Format: Stereo → 7.1.4 oder 9.1.6 (je nach Renderer).

  • Center Mode: Phantom Center only (kein harter Center).

  • Depth / Immersion: 65 – 75 % – Streicher sollen den Raum füllen.

  • Width: maximal (80–100 %) – betont die Breite.

  • Rear Spread: 60 – 70 %, so dass der Raum hinten schön aufgeht.

  • Front-to-Back Balance: leicht nach hinten (–1 dB bis –2 dB).

  • Coloration Control: Minimal (Standard), um natürliche Timbres zu behalten.

  • Option: Danach ein leichter „Glue“-Kompressor auf den Surround-Bus (Ratio 1.5:1).

Ergebnis: Der Klang „umhüllt“ den Hörer mit seidiger Weite — ideal für emotionale oder orchestrale Passagen.

3. Drums / Percussion (breit, punchy, mit Raumtiefe)

Ziel: Druck und Klarheit behalten, aber mit realistischem Surround-Charakter.
Ideal für: Pop, Rock, Schlager mit kräftigem Beat.

Schritte:

  • Input/Output-Format: Stereo → 7.1.2.

  • Center Mode: Hybrid Center (Kick und Snare teilweise ins Center).

  • Center Gain: +1 dB (nicht mehr, sonst zu mittig).

  • Width: 60 %, damit Overheads und Toms Raum bekommen.

  • Depth / Immersion: 40 – 50 %, für leichte Tiefenstaffelung.

  • Rear Spread: 30 – 35 %, optional Kick ausnehmen (per Band-Split).

  • Low-Frequency Management: aktivieren → Subbass bleibt vorne zentriert.

  • Option: Danach einen „Room Reverb“ leicht hinzumischen (Front + Rear) mit ca. 0.4 s Decay.

Ergebnis: Das Drumset bleibt druckvoll und definiert, wirkt aber größer, luftiger und klingt wie in einem realen Studio-Raum.

Wenn du mehrere Stems nutzt (Vocals, Drums, Streicher etc.), Upmix-Instanzen getrennt einsetzen und nicht auf den Summenbus legen. So hast du volle Kontrolle über Position und Räumlichkeit jeder Gruppe.

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